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Aldi-Gründer stirbt: Nachruf auf das Mysterium Theo Albrecht

28 Jul
NORTHWICH, UNITED KINGDOM - JULY 03:  An Aldi discount supermarket on 3 July, 2008 in Northwich, England . Whilst most of the UK's leading supermarkets and grocery stores are battling hard for their market share, discount supermarkets Aldi and Lidl are seeing an increase in profits as middle class consumers fighting the credit crunch search out bargains as reported by TNS Worldpanel.  (Photo by Christopher Furlong/Getty Images)

Theo Albrecht ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Dass ein Mensch in solch einem gesegneten Alter verstirbt, ist ja nichts ungewöhnliches. Würde es sich bei Theo Albrecht nicht um einen der reichsten Männer der Welt handeln, über den so gut wie nichts bekannt war. Genau wie sein Bruder Karl, mit dem zusammen er den Discounter ALDI gegründet und groß gemacht hatte, lebte Theo Albrecht völlig zurückgezogen von der Öffentlichkeit. Er galt als äußerst sparsam, fast schon geizig, ging nie auf öffentliche Veranstaltungen und ließ sich niemals fotografieren.

Die paar wenigen Fakten, die über Theo Albrecht bekannt sind, lesen sich so. Er kam 1922 in Essen zur Welt. Der Vater war Bergmann, die Mutter betrieb einen kleinen Lebensmittelladen. In diesem absolvierte der Sohn eine Lehre. 1946 übernahmen Theo und sein Bruder Karl den elterlichen Laden und bauten ihn aus. In den nächsten Jahren ging es mit dem Albrecht’schen Geschäft steil bergauf: Erst konnten sie sich einen größeren Laden kaufen, dann weitere Filialen eröffnen und schließlich eine richtige Kette werden.

1950 besaßen die Albrecht-Brüder bereits 31 Läden herkömmlicher Prägung. Das heißt, es waren im Gegensatz zu den Discount-Supermärkten von heute noch Bedien- oder Krämerläden. 1960 waren es bereits über 300 Läden in ganz Deutschland. Um den bürokratischen Anforderungen Herr zu werden (und wohl auch, um Steuern zu sparen), teilten die Brüder den Konzern in diesem Jahr in einen Nord- und einen Südzweig auf. Theo übernahm den Norden. 1962 schließlich bekam der Konzern einen neuen Namen, um das neue Verkaufskonzept zu illustrieren: Die herkömmlichen Läden hatten ausgedient, die Zukunft gehörte den Discount-Supermärkten. Aus Albrecht wurde Aldi – „Albrecht-Discount“.

Das Prinzip: Anstatt wie andere Supermärkte Markenware in mehrfacher Ausführung anzubieten, verfolgten die Albrechts den Grundsatz „Discount ist die Kunst des Weglassens“. Die Aldi-Märkte waren und sind immer noch spartanisch eingerichtet und bieten billige Ware an. Der Erfolg war gigantisch. Aldi expandierte in den folgenden Jahrzehten erst nach ganz Deutschland, dann in die ganze Welt. 7.000 Filialen betreibt der Konzern in Europa, 1.200 in Australien und den USA. Theo Albrecht verfügte zum Zeitpunkt seines Todes, ebenso wie sein Bruder Karl, über ein geschätztes Privatvermögen von 17 Milliarden Euro.

1993 zog sich Theo aus dem operativen Tagesgeschäft zurück – im stolzen Alter von 71 Jahren – und wurde Privatier. Zu jenem Zeitpunkt hatte er den schlimmsten Teil seines Lebens bereits hinter sich. 1971 wurde er entführt und erst nach 17 Tagen gegen Zahlung eines Lösegelds freigelassen. Für wenige Tage war der ansonsten völlig zurückgezogen lebende Multi-Millionär in den bundesweiten Schlagzeilen. Die Fotos, die nach seiner Freilassung entstanden, waren lange Jahre die letzten, die von dem Unternehmer existierten. Erst 1987 gelang es einem Reporter, die beiden Brüder gemeinsam zu fotografieren.

Das war’s. Man wusste nichts über diesen Theo Albrecht, genauso wenig über seinen Bruder. Er hinterlässt eine Frau und zwei Söhne, Theo Junior und Berthold, die in der Firmenleitung von Aldi Nord tätig sind. Nun ist er der zweitreichste Mann Deutschlands im Alter von 88 Jahren gestorben. Man wusste nie viel von ihm und wird auch jetzt nicht viel mehr erfahren. Theo Albrecht wird für immer ein Mysterium bleiben.